Sonntag, 2. März 2014

Das Exposé - so hab ich es gemacht



Heute befasse ich mich mal ausführlicher mit dem Thema Exposé

Ich habe bisher einige Exposés verfasst. Das Erste kam beim Verlag so gut an, dass ich direkt einen Vertrag bekommen habe, bei einem habe ich etwas ganz Entscheidendes einfach unter den Tisch fallen lassen, was für mich selbstverständlich erschien. Es war in diesem Fall nicht so schlimm, weil es sich um Band 3 meiner Nachtahn-Reihe handelte, für den ich bereits einen Vertrag hatte. Aber es war eine gute Übung und ich habe von meiner Verlegerin ein direktes Feedback bekommen, was man sonst ja eher selten bekommt. Die beiden anderen sind noch ohne Rückmeldung. 

Jedes Mal saß ich jedoch davor: Wie ging das jetzt noch gleich? 

Deshalb fasse ich an dieser Stelle alle Informationen zusammen, die ich bei meinen Recherchen im Netz oder in Gesprächen mit anderen Autoren zusammen getragen habe. Sie sind nicht allgemein gültig! Es ist immer auch persönlicher Geschmack, wie ich finde. Außerdem sollte jedes Exposé auf den Verlag zugeschnitten sein. Aber vielleicht können sie dem ein oder anderen von euch als Anregung im Dschungel der Informationen dienen.

Ich fange mal mit dem Aufbau an, wie ich es gemacht habe (die Reihenfolge kann variiert werden): 

Titel (mit dem Zusatz "Arbeitstitel")
Genre
Zielgruppe
Umfang (Anzahl Normseiten, Zeichen inkl. Leerzeichen, Schriftart- und Größe)
Text (Sprache, Ausdruck)
Genreunterschied / Einzigartigkeit des Buches
Mit welchen Büchern vergleichbar?
Kurzbeschreibung / Über das Buch
Ort und Zeit der Handlung
Inhalt
Ggf. Ausblick
Über den Autor

Zu den einzelnen Punkten:

Titel, Genre und Zielgruppe
Ergeben sich von selbst. Gerade bei der Zielgruppe sollte man sich jedoch ganz genau Gedanken machen und es nicht zu allgemein halten. Nicht nur, damit der Verlag das besser einschätzen kann. Auch, damit man seine eigene Werbung dahingehend planen kann.

Umfang
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es nicht förderlich ist, ein unvollendetes Werk zu präsentieren. Gerade als unbekannter Autor. Ich hab mich dran gehalten.

Text
Hier habe ich noch den netten Zusatz: „Einem professionellen Lektorat und hilfreichen Änderungsvorschlägen steht die Autorin selbstverständlich offen gegenüber. Als Alternativtitel wäre z. B. auch „XY“ vorstellbar.“eingefügt.
Damit signalisiert man Aufgeschlossenheit und Flexibilität. Gerade als unbekannter Autor nicht unwichtig.

Genreunterschied / Einzigartigkeit
Hier sollte man sich überlegen, was das Besondere an der Geschichte ist. Was hat mein Buch, was andere nicht haben? Warum sollte ein Leser gerade dieses Buch lesen? Oder auch: was kann ich als Autor besonders gut? Habe ich einen außergewöhnlichen oder besonders witzigen Stil, der bei vielen Lesern ankommen wird? Darüber sollte man ganz genau nachdenken. 

Mit welchen Büchern vergleichbar?
Ich muss ich gestehen, das hab ich nur bei meinem ersten Exposé angegeben, weil es vom Verlag vorgegeben war. Manchmal ist das eigene Buch schwer mit anderen vergleichbar, finde ich. Aber wenn doch, ist es für den Lektor hilfreich, das Buch schon jetzt einordnen zu können. 

Kurzbeschreibung / Über das Buch
Oder auch: der Pitch. Hier bringt man die Geschichte auf den Punkt. Es ist eine kurze Zusammenfassung der gesamten Geschichte in möglichst ein oder zwei Sätzen. 
Was würde ich jemandem erzählen, dem ich das Buch empfehlen möchte? Oder, wie mein Kollege Alexander Bally sagt: wie würde ich meiner Oma das Buch beschreiben?

Jetzt geht es ans Eingemachte:
Inhalt
Es erfolgt eine vollständige Inhaltsangabe – samt Schluss!
Hier werden an manchen Stellen die großen W´s empfohlen: Wer? Was? Wie? Wann? Wo? Warum? Ich konnte nicht mit allen Fragen etwas anfangen. Meine Fragen waren etwas anders:
Wer? Man beginnt vorzugsweise mit der Hauptperson und erzählt den Handlungsstrang entlang des Protagonisten.
Was? Wo liegt der zentrale Konflikt? Worum geht es? Was will der Protagonist erreichen?
Der Protagonist bestimmt die Geschichte. Der Antagonist (der nicht zwangsläufig eine Person und auch nicht unbedingt böse sein muss) behindert den Protagonisten, seine Ziele zu erreichen. Diese beiden bestimmen den Plot, den Handlungsverlauf. Was sie erreichen wollen und tatsächlich erreichen, wo sie scheitern, das ist die Geschichte.
Wie entwickeln sich meine Charaktere im Laufe der Geschichte? Wie verändert sich ihre Persönlichkeit? Was bewirkt das Erlebte bei ihnen? Was ist das Spannende in der Geschichte?
  
Am Ende muss der anfängliche Konflikt beantwortet sein. Nur so ist der Plot schlüssig. Anfang und Ende bilden eine Einheit. 

Wenn man alles zusammengefasst hat, sollte man den Text nochmal in Bezug auf die Zielgruppe durchgehen (wer interessiert sich für das Buch und warum?). 

Über den Autor:
Kurzvita mit Bezug auf die Geschichte. Warum bin ich besonders geeignet, diese Geschichte zu schreiben? 


Das Exposé wird immer im Präsenz und in der Dritten Person geschrieben.
Bei allem soll man sich kurz fassen (max. 3 Normseiten!), konkret schreiben, es trotzdem spannend gestalten, nicht so viele wertende Adjektive verwenden und bei seinem eigenen Stil bleiben. Ich glaube, das mit dem eigenen Stil ist mir am schwersten gefallen. Ich hab immer das Gefühl, dass meine Exposés sehr nüchtern klingen. Ob es so ist, kann natürlich nur ein Verlagsmitarbeiter beantworten.

Mein ganz persönlicher Tipp zum Schluss: gebt euer Exposé möglichst vielen Leuten zum Lesen und bittet um eine ehrliche Meinung, was Stil, Spannung aber auch Logik der Geschichte betrifft. Als Autor sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht und Leser, die z.B. gar nichts mit dem Genre zu tun haben, entdecken Schwachstellen, die man selbst nicht gesehen hat. Wenn ein „normaler“ Leser es schon langweilig findet, dann wird der Lektor wahrscheinlich nicht einmal bis zum Ende weiterlesen …

Ich hoffe, diese kleine Zusammenfassung hilft dem ein oder anderen weiter. Wenn ihr Fragen oder Ergänzungen habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder schreibt mir eine E-Mail. Ich helfe gerne, wenn ich kann ;)

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