Freitag, 29. September 2017

Überarbeitungsfibel Teil 4: Niemand mag Wiederholungen

Weiter geht es mit meiner neuen Blogreihe "Die Überarbeitungsfibel: Überarbeiten Schritt für Schritt erklärt". Um mich nicht zu wiederholen, erkläre ich jetzt nicht noch einmal, worum es geht. Thema heute sind nämlich, genau, Wiederholungen!

Heute: Wortwiederholungen
Niemand mag Wiederholungen

Wortwiederholungen! Der Graus für jeden Leser - und Autor. Denn man schreibt ja nicht absichtlich immer wieder die gleichen Worte oder Formulierungen. Das passiert im Fluss oder Autor hängt ganz einfach an diesem Ausdruck. Deshalb solltest Du bei diesem Überarbeitungsgang sehr, sehr gründlich sein. Denn Wortwiederholungen langweilen. Und zwar extrem. Außerdem sieht es unter Umständen so aus, als wäre Dein Wortschatz nicht sonderlich groß, und das willst Du nicht. Schon Stephen King schrieb in seinem "Über das Leben und das Schreiben" (Heyne): 
"Das täglich Brot des Schriftstellers ist der Wortschatz".

Bei manchen Wörtern ist es leicht, andere Begriffe dafür zu finden. Schön, zum Beispiel. Ich habe mal ein Buch gelesen, da war der männliche Prota schön. So schön. Atemberaubend schön. Unfassbar schön. Herrgott, war er schön!
Das war vor allem eins: unfassbar nervig. Auch mit einem Zusatz blieb die Autorin bei schön. Schauen wir doch mal, was die Synonyme-Datenbank uns anzubieten hat:


Bedeutung: wundervoll [a]







Bedeutung: verlockend [a]





Bedeutung: nett [a]







(Quelle: http://synonyme.woxikon.de/synonyme/sch%C3%B6n.php)

Ich habe bewusst drei unterschiedliche Bedeutungen herausgefiltert, denn schön ist nicht gleich schön. Er könnte also makellos sein oder faszinierend, oder ein verführerisches Lächeln haben anstelle des schönen. Attraktiv passt auch gut zu Männern oder charmant, reizvoll, anziehend ... 
Es gibt also jede Menge abwechslungsreiche Bezeichnungen - Autor muss sich nur die Mühe machen, sie zu suchen. Das muss gar nicht zwangsläufig beim Schreiben passieren. Beim Überarbeiten aber allemal!

Schwieriger wird es bei den Personen und deren Namen. Manche Autoren neigen dazu, ihre Hauptperson immer beim Namen zu nennen. Dann folgt nach zwölf Mal "Elsbeth" einmal sie. Puh, da hat man den Namen der Hauptfigur als Leser schnell über. Bei mir ist es genau anders herum. Ich benutze meist zu viel "sie" oder "er", was verwirrend wird, wenn es zwei "sie" oder "er" gibt, die miteinander agieren. Hier also beim Überarbeiten immer ein besonderes Augenmerk drauf haben!

Nun meint der eine oder andere bestimmt, dass es ja aber auch Wörter gibt, für die es keine oder kaum alternative Bezeichnungen gibt. Stimmt. Die gibt es. Nehmen wir als Beispiel die Tür. Mit einer Tür kann man allerhand anstellen. Es kann jemand an der Tür klingeln. Man kann zur Tür gehen. Die Tür öffnen. Mit der Türklinke. Jemand kommt zur Tür herein, ein anderer geht durch die Tür nach draußen. Jemand lehnt am Türrahmen, schaut zur Tür herein, bricht die Tür auf. Man kann eine Tür zuschlagen. Die Tür abschließen usw.

Die Synonyme für "Tür" ähneln sich je nach Bedeutung allerdings sehr, und zwar:
Bedeutung: Pforte [n]
Ausgang {m}Eingang (m)EinstiegPortalTor {m}TüreZugang {m}Öffnung {f}Ausstieg
Einlaß (m)EinfahrtSchlag {m}Wagenschlag{m}Tür {f}

Ein Portal hat wohl kaum jemand zu Hause, auch wird niemand am Wagenschlag klingeln oder den Ausstieg öffnen - außer im Flugzeug.
Einmal Tür können wir uns sparen, indem wir es einfach klingeln lassen. Anstelle der Türklinke, reicht auch Klinke oder das bloße Öffnen. Es ergibt sich, dass die Tür gemeint ist, wenn es vorher an selbiger geklingelt hat. Dann wird es schon schwieriger. In solchen Situationen kommt Deine Chance als Autor zu zeigen, was Du kannst!
Als Autor arbeiten wir mit Worten, mit Sprache und erzeugen damit beim Leser Bilder und Gefühle. Das setzt allerdings voraus, dass man sein Handwerkszeug, wie Stephen King es so treffend nennt, auch zu benutzen weiß. Bei solchen Wortwiederholungen hilft nämlich oftmals nur eins: umformulieren. Das bedeutet unter Umständen, dass Du ganze Szenen neu schreiben musst - aber genau darum geht es, wenn Du Autor sein willst! Das Beste aus Deinem Buch herausholen, auch wenn es Arbeit macht. 


TO-DO-Liste Punkt 4
Schau Dir Dein Manuskript an und suche gezielt nach Deinen Lieblingswörtern und den Namen Deiner Figuren. Die ersetzt Du als erstes durch andere Formulierungen. Dann hältst Du nach anderen Wortwiederholungen Ausschau und lässt Dir immer wieder Synonyme dafür anzeigen, bis Du das richtige Wort gefunden hast. Und schon wirkt Dein Text lebendiger, abwechslungsreicher, klüger sogar. Du musst nicht alle Synonyme kennen, Du musst nur wissen, wo sie zu finden sind, und dann nach und nach Deinen Wortschatz erweitern. Hier ein paar Quellen:
http://www.duden.de/hilfe/synonyme
http://synonyme.woxikon.de/synonyme/sch%C3%B6n.php
https://www.openthesaurus.de/synonyme/Synonym
https://www.korrekturen.de/synonyme/

Bisher hatten wir: 
Gleichzeitigkeiten
Füllwörter
Passivformulierungen

In wenigen Tagen geht es weiter mit Wertende Adjektive und Adverbien.

Warum Überarbeiten so wichtig ist und Du Dir die Mühe unbedingt machen und nicht auf einen Lektor umwälzen solltest, erfährst Du hier: 4 Gründe für das gründliche Überarbeiten

Am Ende meiner Reihe "Überarbeitungsfibel" biete ich 5 Autoren exklusiv an, eine Seite ihres rohen Textes zu überarbeiten, um die einzelnen Schritte zu veranschaulichen.
Also: stay tuned.

Deine Sandra

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