Donnerstag, 31. August 2017

Mut zur Nische: "Centro" von Katharina Groth

Es wird mal wieder Zeit für Mut zur Nische, die Aktion, bei der ich zusammen mit einigen anderen Bloggerinnen Nischenbücher näher beleuchte. Dieses Mal steht "Centro" von Katharina Groth im Mittelpunkt - quasi im Zentrum des Geschehens.

Was genau sind Nischenbücher?
1. keinem konkreten Genre zugeordnet werden, weil sie z. B. Elemente aus mehreren enthalten, aber keines davon überwiegt
ODER
2. einem Nischengenre angehören, wie z. B. Steampunk, Science Fiction etc., oder spezielle Themen behandeln, die nicht massentauglich sind
UND
3. von einem (kleinen) deutschen Verlag herausgebracht wurden, der nicht die Reichweite eines großen Publikumsverlags hat und deshalb z.B. auch nicht in den Buchhandlungen vertreten ist, oder selbst verlegt sind (hier achten wir aber auf Qualität, sprich Lektorat) 


Ich habe die Autorin dieser außergewöhnlichen Trilogie interviewt und sie hat mir einige tiefere, aber auch ernste Einblicke in "Centro" gegeben:

Genre/Zielgruppe
Dystopie/ Science-Fiction, Männer und Frauen ab 16 aufwärts

Eine Dystopie mit einer doch eher düsteren Aussicht. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen? Ist das die Entwicklung, die uns bevorsteht? Stichwort: Klimawandel, Ozonschicht, über die in den vergangenen Jahren eigentlich kaum noch jemand redet … ?
Also, grundsätzlich gesagt, glaube ich, dass der Mensch genug Ignoranz besitzt, (und da will ich mich natürlich nicht ausschließen; ich hab es getestet: rotes Blut, regelmäßiges schlagendes Herz, schlafen, essen, schreiben) um Probleme so lange zu ignorieren bis es irgendwann zu spät ist. Daher finde ich den Gedanken an eine düstere Zukunft leider nicht so fern, wie ich es mir wünschen würde. Die Szenarien hierbei sind so zahlreich wie es Dystopien gibt. Natürlich sind Geschichten letzten Endes einfach nur Geschichten, stellen Vieles überspitzt da und sollten den Leser mit ihrer Moralkeule nicht erschlagen. Aber mich hat tatsächlich der Gedanke gereizt: was wäre wenn ... Wie würden wir uns weiterentwickeln? Würden wir das überhaupt?

In Centro gibt es ja ziemlich strenge Gesetze, die auch rigoros und nicht gerade zimperlich durchgesetzt werden. Ich hab in letzter Zeit einige Serien und Filme mit Endzeit-Szenarien gesehen, da ist es ähnlich. Denkst Du, in einem solchen Katastrophenfall wird es noch Demokratie geben und gleiche Rechte? Oder wird immer eine kleine (starke) Gruppe über die anderen (vermeintlich schwachen) herrschen?
Der Ausgangspunkt einer Dystopie ist ja meistens ein Vorfall in der Vergangenheit; ein Krieg, eine Umweltkatastrophe, eine Krankheit … Ein Punkt, an dem die Überlebenden vor den Trümmern der letzten Jahre stehen. Nichts funktioniert mehr wie es sollte, der ganze Luxus ist weg und alles, was für uns selbstverständlich ist, gibt es nicht mehr. Als hätte man uns sprichwörtlich den Teppich unter den Füßen weggezogen. Ich glaube, dass die Menschen sich in solchen Momenten mehr denn je nach Struktur sehnen. Jemand, der alles in die Hand nimmt und sagt: Es reicht jetzt mit Jammern, wir fangen neu an. Viele werden das dankbar annehmen und auch nur allzu bereit sein sich strengen Regeln zu beugen. Also, lange Rede kurzer Sinn: Ja, ich glaube, dass in Folge einer Katastrophe, die uns tatsächlich global in dystopische Verhältnisse treibt, die Starken sehr willkommen sind und die Schwachen sich nur allzu gern beugen. Die weitere Entwicklung, die Sanktionen – was in Dystopien ja häufig ein Thema ist – sind alles schleichende Prozesse, die dann nach und nach akzeptiert werden. Wenn es tatsächlich um das Überleben geht, sind wir bereit einiges zu akzeptieren.

Was macht Deine Hauptfigur Kay aus? Wieso kann nur sie diese Geschichte erleben?
Oh, jetzt wird es schwer nicht zu spoilern. Also, Kay ist tatsächlich etwas Besonderes, einfach weil das ihre persönliche Geschichte hergibt, die ja nach und nach in den Romanen erzählt wird. Tatsächlich gab es in meinem Kopf erst die Protagonistin Kay und darum hat sich dann irgendwie die Geschichte entwickelt.

Gibt es eine Nebenfigur, die Dir besonders ans Herz gewachsen ist?
Ja, ich mochte Lydia von Anfang an; harte Schale, weicher Kern. Sie war ehrlich gesagt gar nicht eingeplant, sondern stand auf einmal einfach vor mir. Eigentlich sollte sie nur eine Figur sein die flüchtig auftaucht und dann wieder verschwindet. Was soll ich sagen? Sie hat sich so tief in mein Herz geschlichen, dass ich ihr einfach noch eine Kurzgeschichte aus ihrer Sicht widmen musste.

Hast Du eine Lieblingsstelle?
„Das Grausame daran war eigentlich nur, dass ich inzwischen genau verstand, was sie meinte. Wenn ich über meine Wandlung in den letzten Wochen nachdachte, liefen mir kalte Schauer über den Rücken. Jeden Tag war ein weiteres kleines Stück von mir gestorben und hatte der neuen Kriegerinnenseite weichen müssen. Meine Instinkte wurden durch das Training außergewöhnlich geschärft und Lydia staunte immer wieder über die rasanten Fortschritte, die ich machte. Immerhin hatte ich mich innerhalb kürzester Zeit von einer Erntehelferin zu einer Kämpferin entwickelt. Das Beunruhigendste daran war, dass ich an den Kämpfen sogar manchmal Freude empfand. Es gab Tage, da durchströmte mich nach einem gelandeten Treffer ein unbestimmtes Glücksgefühl, wie ich es bis zu meiner Zeit als Arenakämpferin noch nie verspürt hatte. Es war, als hätte mein Körper seine Bestimmung gefunden, während mein Herz langsam, aber sicher unter der ganzen Gewalt und der Zwietracht hier zusammenbrach. Die Saison war erst halb vorbei. Was passierte wohl mit mir, wenn ich tatsächlich bis zum Schluss durchhielte?“ (Centro – In der Tiefe/ Katharina Groth)
Katharina Groth und Paul

Magst Du uns ein bisschen mehr über Dich persönlich erzählen? Wer ist Katharina Groth? Was machst Du neben dem Schreiben? Was sind Deine Hobbys? Was treibt Dich an? Was kannst Du überhaupt nicht leiden? Womit kann man Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern?
Wer ist Katharina Groth? Hm … eine leicht chaotische Vollzeitautorin, zweifache Katzenmama, dreifache Drachenmama, verheiratet, Familienmensch und buchsüchtig. Wenn ich gerade nicht schreibe, dann lese ich oder breche auch einfach mal aus meinem Autorenalltag aus. Immer dann, wenn ich es in meiner „Autorenhöhle“ nicht mehr aushalte, treffe ich mich mit Freunden oder Familie und genieße es auch einfach mal nicht über Bücher zu reden und die Seele baumeln zu lassen. Bis tief in die Nacht quatschen und den Alltag, Alltag sein lassen. Ich liebe außerdem alles kreative; basteln, zeichnen, stricken … (Ja! Sogar stricken! :-D )
Ich bin verdammt ehrgeizig, gerade was meinen Beruf angeht. Das was ich mache, will ich gut machen, mich weiterentwickeln und weiter meinen Traum leben dürfen. Also, ich treibe mich definitiv selbst an und würde es mir nicht verzeihen, wenn ich mir durch meine eigene Trägheit meine Zukunft verbaue.
Ich kann es nicht leiden, wenn man gerne und viel nimmt, aber nicht in der Lage ist etwas zurückzugeben und sei es nur ein ernst gemeintes ‚Danke‘. Damit kann man mich wirklich auf die Palme treiben.
Ein Lächeln? Oh ich lache und lächle eigentlich sehr viel. Meine Tiere, mein Mann, meine Freunde bringen mich eigentlich ständig dazu. Da reicht eigentlich schon die bloße Anwesenheit oder der eine oder andere trockene Spruch von meinem Mann.

Mal ganz ehrlich: Hast Du eine Macke?
Oh ja. Ich bin chaotisch. Vollblutchaotisch. (Gibt es das Wort?) Inzwischen hat sich das schon etwas gebessert, da ich einen sehr ordnungsliebenden Mann habe, aber grundsätzlich folgt mir das Chaos weiterhin durch mein Leben.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest Du Dir wünschen?
Ich könnte jetzt sagen: Reichtum, Erfolg usw. Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass jeder selbst für diese Dinge verantwortlich ist. Und da es nur ein Wunsch ist, gibt es jetzt mal etwas Selbstloses, nicht weil ich ein absoluter Gutmensch bin, sondern einfach weil ich in meiner Familie schon betroffen war. Ich würde mir ein Heilmittel gegen Krebs wünschen.

Wie wird es mit Dir weitergehen? Was kann man noch von Dir lesen oder was wird man demnächst von Dir lesen können?
Ich bin vor Kurzem bei einem tollen Kleinverlag (GedankenReich Verlag) untergekommen, der mit Herzblut bei der Sache ist und mein „Schattensplitter – Prinzessin von Mawuria“ neu verlegt hat. Der zweite Band wird im Oktober erscheinen. Außerdem sind für nächstes Jahr ein weiterer High Fantasy-Roman und eine neue Dystopie geplant, an der ich gerade noch schreibe.

Autorenseite, Blog, Facebook, Amazon, Lovelybooks o.ä.
Autorenseite GedankenReich Verlag:

Ganz herzlichen Dank, liebe Katharina Groth, für das tolle Interview und die ausführlichen Antworten.

Auch wenn Katharina Groth niemanden mit der Moralkeule erschlagen will, so machen ihre Antworten doch nachdenklich, finde ich. Ob euch das Buch ebenfalls zum Nachdenken bringen wird, könnt ihr erfahren, indem ihr es lest oder bei meinen Bloggerkolleginnen vorbeischaut, die die kommenden Tage über ihre Erfahrung und Meinung zu "Centro" berichten werden.

Weiter geht es am 2.9 bei Buchvogel mit "Unfreiwillige Arenakämpfer": 
https://buchvogel.blogspot.de/2017/09/unfreiwillige-arenakaempfer-centro-in-der-tiefe.html?fref=gc

Alle bisherigen Nischenbücher findest Du hier auf einen Blick: Mut zur Nische

1 Kommentar:

  1. Hallo Sandra,
    ein interessantes und nachdenklich machendes Interview. Ja, so weit hergeholt ist das alles nicht, was sie beschreibt.
    Ich hab mir auch die weiteren Bände der Trilogie besorgt und bin gespannt, wie es mit Kay und auch Lydia weitergeht.
    Eine Frage hätte ich noch: Was ist denn eine Drachenmama? :D
    Liebe Grüße
    Daniela

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